Beschwerden im urogenitalen Bereich sind häufig und können die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Sie betreffen Frauen und Männer unterschiedlich, nehmen jedoch mit zunehmendem Alter oft zu.
Je nach Ursache ist eine Kombination aus medizinischer und psychologischer Behandlung sinnvoll.
Harninkontinenz
Harninkontinenz bedeutet unwillkürlichen Harnverlust. Dieser reicht von wenigen Tropfen beim Husten oder Heben bis zum vollständigen Kontrollverlust über die Blase.
Frauen sind besonders häufig betroffen, etwa durch Beckenbodenschwäche, Geburten oder hormonelle Veränderungen. Bei Männern tritt Inkontinenz häufig nach Prostataoperationen auf.
Formen
- Stressinkontinenz (ca. 60% der Fälle)
- Dranginkontinenz (ca. 10%)
- Mischformen (ca. 20%)
- seltene Sonderformen (ca. 10%)
Als Ursachen kommen in Frage:
- Beckenbodeninsuffizienz, also Schwäche der Beckenbodenmuskulatur
- Anzahl der Geburten
- Verhalten im Wochenbett
- Hormonmangel im Alter
- Erhöhter Druck im Bauchraum bei Bronchitis und Übergewicht, Schwangerschaft
- Operationen
- Nervenschäden
Viele Betroffene ziehen sich aus Scham zurück. Dadurch können soziale Isolation, Ängste oder depressive Verstimmungen entstehen.
Therapiemöglichkeiten:
Medikamentöse Therapien und Operationen sind aufgrund der Nebenwirkungen nur in wenigen Fällen indiziert und sinnvoll. Die Behandlungsmethode der Wahl ist Biofeedback, wie zahlreiche internationale Studien belegen. Diese Methode ist einfach zu erlernen, fördert die Eigenverantwortung der Betroffenen, hat keine Nebenwirkungen und weist einen ausgezeichneten Langzeiterfolg auf. Die Patienten trainieren dabei einzeln in angenehmer Umgebung mit vaginaler/rektaler Elektrode ihren Beckenboden und erlangen so wieder die Kontrolle über die Blasenfunktion.
Menstruationsbeschwerden – „Regelbeschwerden“, die nicht die Regel sein sollten!
Menstruationsbeschwerden sind weit verbreitet und können sich durch Unterbauch- und Rückenschmerzen, Müdigkeit, Übelkeit, Kopfschmerzen oder Stimmungsschwankungen äußern. Bei stärkerer Ausprägung beeinträchtigen sie den Alltag, die Schule oder den Beruf deutlich.
Die Ursachen sind vielfältig und reichen von hormonellen Veränderungen über Entzündungsprozesse bis hin zu Stress oder zugrunde liegenden Erkrankungen. Eine individuelle Abklärung ist wichtig, um eine passende Behandlung zu ermöglichen und Schmerzen sowie Einschränkungen nachhaltig zu reduzieren.
Behandlungsmöglichkeiten
- Akupunktur (individuell angepasst)
- hormonelle Abklärung und ggf. Therapie mit bioidenten Hormonen
Blasenentzündung (Zystitis)
Akute oder chronische Entzündungen der abführenden Harnwege sind äußerst schmerzhaft und einschränkend. Dabei können von der Harnröhre über die Blase auch die Harnleiter und in schweren unbehandelten Fällen auch die Nierenbecken betroffen sein.
Symptome können sein:
- häufiger Harndrang
- Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen
- Müdigkeit, Abgeschlagenheit oder Fieber
- Bei kleinen Kindern und alten Menschen sind die ersten Anzeichen oft Übelkeit, Erbrechen und bei Säuglingen Nahrungsverweigerung
Therapiemöglichkeiten:
- entzündungshemmende Medikamene
- ausreichend Flüssigkeitszufuhr
- Ansäuerung des Harnds
- Akupunktur
- Orthomolekulare Therapie
Sonderform: „Honeymoon-Zystitis“
Blasenentzündungen können durch häufigen Geschlechtsverkehr entstehen. Vorbeugend helfen u. a.:
- rasches Wasserlassen nach dem Geschlechtsverkehr
- ausreichendes Trinken
- ggf. vorübergehende sexuelle Schonung
Prämenstruelles Syndrom
Das prämenstruelle Syndrom umfasst körperliche und psychische Beschwerden, die einige Tage vor der Menstruation auftreten und mit Beginn der Blutung wieder nachlassen. Typisch sind Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Müdigkeit sowie Symptome wie Brustspannen, Kopfschmerzen oder Wassereinlagerungen.
Je nach Ausprägung können die Beschwerden den Alltag und das soziale Leben deutlich beeinträchtigen. Als Ursache gelten vor allem hormonelle Veränderungen im Zyklus und eine individuelle Empfindlichkeit gegenüber diesen Schwankungen.
Symptome
- Müdigkeit, Schmerzen, Wassereinlagerungen
- Stimmungsschwankungen oder depressive Verstimmung
Therapie
- Akupunktur
- Phytotherapie (Mönchspfeffer, Johanniskraut und Co)
- psychologische Therapie bei schweren Formen
- ggf. medikamentöse Unterstützung
Selbsthilfe
- ausreichend Schlaf
- Stressreduktion
- ausgewogene Ernährung
- Bewegung und Entspannung
Vaginale Infektionen (Vaginosen)
Wiederkehrende bakterielle oder Pilzinfektionen können durch verschiedene Faktoren entstehen:
- Antibiotika oder Medikamente
- hormonelle Veränderungen
- Veränderungen des vaginalen pH-Werts
- übertriebene Hygiene
Behandlung
- Ursachenklärung
- Anpassung von Hygiene- und Lebensgewohnheiten
- Darmaufbau
- hormonelle Therapie
- ggf. Mitbehandlung des Partners
