{"id":4210,"date":"2025-11-11T14:56:55","date_gmt":"2025-11-11T13:56:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/?p=4210"},"modified":"2026-03-12T12:11:03","modified_gmt":"2026-03-12T11:11:03","slug":"schematherapie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/aktuelles\/schematherapie","title":{"rendered":"Schematherapie"},"content":{"rendered":"\n<p>Jeder Mensch entwickelt im Laufe des Lebens bestimmte <strong>Glaubenss\u00e4tze<\/strong> und folglich <strong>Verhaltensmuster<\/strong>. Viele davon entstehen bereits in der Kindheit und Jugend. In ihrer Entstehung sind sie h\u00e4ufig zun\u00e4chst hilfreich und funktional, k\u00f6nnen sich jedoch im Laufe der Zeit durch ihre starre Natur und ver\u00e4nderte Lebensumst\u00e4nde zu <strong>dysfunktionalen Schemata<\/strong> entwickeln, die das Wohlbefinden beeintr\u00e4chtigen oder f\u00fcr psychische St\u00f6rungen (mit)verantwortlich sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Was sind Schemata und Modi?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Schemata werden definiert als Themen oder <strong>Muster, die aus Erinnerungen, Emotionen, Gedanken und K\u00f6rperempfindungen<\/strong> bestehen. Sie beziehen sich auf die eigene Person oder auf die Interaktion mit anderen Menschen. Diese tief verankerten Muster sind <strong>in vielen Lebenssituationen hilfreich, k\u00f6nnen aber auch negative Folgen haben<\/strong>, indem sie unser Denken, F\u00fchlen und Handeln unflexibel machen und damit unser Wohlbefinden beeintr\u00e4chtigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Entwickler der Schematherapie, Jeffrey Young, unterscheidet innerhalb der Pers\u00f6nlichkeit zehn Schemamodi. Schemata stellen dabei \u00fcberdauernde Muster dar, die sich durch das Leben ziehen. <strong>Modi bezeichnen B\u00fcndel mehrerer Schemata<\/strong>, die in einer bestimmten Situation gerade aktiv sind. Sie k\u00f6nnen sich schnell und abh\u00e4ngig vom Kontext ver\u00e4ndern. Grunds\u00e4tzlich unterscheidet man zwischen den <strong>Kind-Modi<\/strong>, den (dysfunktionalen) (dysfunktionalen) <strong>Eltern-Modi<\/strong>, dem <strong>gesunden Erwachsenen-Modus <\/strong>und den <strong>Bew\u00e4ltigungs-Modi<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Wie interagieren die Modi?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Kind-Modi dr\u00fccken unsere Grundbed\u00fcrfnisse und kindlichen Gef\u00fchle<\/strong> aus. Diese k\u00f6nnen sowohl funktional (kindliche Freude im Alltag, situationsad\u00e4quate Emotionen), als auch dysfunktional sein (r\u00fccksichtslos, impulsives Verhalten).<\/p>\n\n\n\n<p>Die <strong>dysfunktionalen Eltern-Modi<\/strong> repr\u00e4sentieren die strafenden oder fordernden inneren Stimmen, die wir oft aus der Kindheit \u00fcbernommen haben. Auch dieser kann kontr\u00e4r dazu auch funktional sein (F\u00fcrsorglichkeit gegen\u00fcber anderen).<\/p>\n\n\n\n<p>Der <strong>gesunde Erwachsenen-Modus<\/strong> bildet den mitf\u00fchlenden, stabilen Anteil in uns, der Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Kind-Modi zeigt, den dysfunktionalen Elternmodi Grenzen setzt und f\u00fcr Struktur, Sicherheit und F\u00fcrsorge sorgt. Wichtig f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis und die Akzeptanz ist einerseits die Erkenntnis, dass auch die dysfunktionalen Elternmodi urspr\u00fcnglich aus funktionalen \u00dcberzeugungen entstanden sind, um schwierige Situationen \u00fcberstehen zu k\u00f6nnen. Andererseits ist es auch von Relevanz, funktionale und positive Kind-Modi und Eltern-Modi zu identifizieren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/image.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"604\" height=\"403\" src=\"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/image.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-4211\" srcset=\"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/image.png 604w, https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/image-300x200.png 300w, https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/image-600x400.png 600w\" sizes=\"(max-width: 604px) 100vw, 604px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Abb: Ziele der Schematherapie (in Anlehnung an Fa\u00dfbinder et al. (2024).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Wie funktioniert die Schematherapie?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Schematherapie verbindet Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie mit humanistischen, wie zum Beispiel dem Stuhldialog, erfahrungsorientierten und imaginativen Techniken. <strong>Zentrales Ziel ist es, den gesunden Erwachsenenmodus zu st\u00e4rken<\/strong>, indem die unterschiedlichen Modi und deren Entstehung sowie ihr Zusammenspiel bewusst gemacht und verstanden werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nach der Erarbeitung der einzelnen Modi liegt der Fokus darauf, neue, gesunde Bew\u00e4ltigungsstrategien zu entwickeln und diese im Alltag zu verankern<\/strong>. Die Bew\u00e4ltigungsmodi werden angesprochen und etwaige Vor- und Nachteile sowie alternative Verhaltensweisen erarbeitet. Weiters werden die <strong>Gef\u00fchle der Kind-Modi<\/strong> (bspw. durch Rollenspiele oder Stuhldialoge) <strong>verarbeitet<\/strong> und ver\u00e4ndert und die <strong>strengen Gedanken der dysfunktionalen Eltern-Modi entkr\u00e4ftigt<\/strong>. Dazu geh\u00f6rt, den gesunden Erwachsenenmodus aktiv einzusetzen, um die Bed\u00fcrfnisse der Kind-Modi wahrzunehmen, innere Kritik zu relativieren und langfristig eine stabilere, mitf\u00fchlendere Beziehung zu sich selbst aufzubauen. So kann ein flexibleres und selbstbestimmteres Erleben entstehen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Schematherapie.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Schematherapie.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4250\" style=\"width:500px\" srcset=\"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Schematherapie.jpg 683w, https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Schematherapie-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Schematherapie-300x450.jpg 300w, https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Schematherapie-600x900.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Jacob, G. (2014). Schematherapie: Ein integrativer Ansatz in der Behandlung von Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rungen. <em>PiD \u2013 Psychotherapie im Dialog, 15<\/em>(3), 68\u201371. https:\/\/doi.org\/10.1055\/s-0034-1388641<\/p>\n\n\n\n<p>Kharaghani, R., Hosseinkhani, A., &amp; Zenoozian, S. (2023). The effect of schema therapy on marital conflicts: A systematic review and meta\u2011analysis. <em>Preventive Care in Nursing and Midwifery Journal, 13<\/em>(4), 50. https:\/\/doi.org\/10.61186\/pcnm.13.4.50<\/p>\n\n\n\n<p>Schupp, T. (2019). Schematherapie. <em>PPH \u2013 Psychotherapie &amp; Psychosomatik im Pflege- &amp; Gesundheitsdienst, 25<\/em>(2), 81\u201385. https:\/\/doi.org\/10.1055\/a-0826-7901<\/p>\n\n\n\n<p>Taylor, C. D. J., Bee, P., &amp; Haddock, G. (2017). Does schema therapy change schemas and symptoms? A systematic review across mental health disorders. <em>Psychology and Psychotherapy: Theory, Research and Practice, 90<\/em>(3), 456-479. https:\/\/doi.org\/10.1111\/papt.12112<\/p>\n\n\n\n<p>Zhang, K., Hu, X., Ma, L., Xie, Q., Wang, Z., Fan, C., &amp; Li, X. (2023). The efficacy of schema therapy for personality disorders: A systematic review and meta-analysis. <em>Nordic Journal of Psychiatry, 77<\/em>(7), 641\u2013650. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1080\/08039488.2023.2228304\">https:\/\/doi.org\/10.1080\/08039488.2023.2228304<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jeder Mensch entwickelt im Laufe des Lebens bestimmte Glaubenss\u00e4tze und folglich Verhaltensmuster. Viele davon entstehen bereits in der Kindheit und Jugend. In ihrer Entstehung sind sie h\u00e4ufig zun\u00e4chst hilfreich und funktional, k\u00f6nnen sich jedoch im Laufe der Zeit durch ihre starre Natur und ver\u00e4nderte Lebensumst\u00e4nde zu dysfunktionalen Schemata entwickeln, die das Wohlbefinden beeintr\u00e4chtigen oder f\u00fcr psychische St\u00f6rungen (mit)verantwortlich sind. Was sind Schemata und Modi? Schemata werden definiert als Themen oder Muster, die aus Erinnerungen, Emotionen, Gedanken und K\u00f6rperempfindungen bestehen. Sie beziehen sich auf die eigene Person oder auf die Interaktion mit anderen Menschen. Diese tief verankerten Muster sind in vielen Lebenssituationen hilfreich, k\u00f6nnen aber auch negative Folgen haben, indem sie unser Denken, F\u00fchlen und Handeln unflexibel machen und damit unser Wohlbefinden beeintr\u00e4chtigen. Der Entwickler der Schematherapie, Jeffrey Young, unterscheidet innerhalb der Pers\u00f6nlichkeit zehn Schemamodi. Schemata stellen dabei \u00fcberdauernde Muster dar, die sich durch das Leben ziehen. Modi bezeichnen B\u00fcndel mehrerer Schemata, die in einer bestimmten Situation gerade aktiv sind. Sie k\u00f6nnen sich schnell und abh\u00e4ngig vom Kontext ver\u00e4ndern. Grunds\u00e4tzlich unterscheidet man zwischen den Kind-Modi, den (dysfunktionalen) (dysfunktionalen) Eltern-Modi, dem gesunden Erwachsenen-Modus und den Bew\u00e4ltigungs-Modi. Wie interagieren die Modi? Die Kind-Modi dr\u00fccken unsere Grundbed\u00fcrfnisse und kindlichen Gef\u00fchle aus. Diese k\u00f6nnen sowohl funktional (kindliche Freude im Alltag, situationsad\u00e4quate Emotionen), als auch dysfunktional sein (r\u00fccksichtslos, impulsives Verhalten). Die dysfunktionalen Eltern-Modi repr\u00e4sentieren die strafenden oder fordernden inneren Stimmen, die wir oft aus der Kindheit \u00fcbernommen haben. Auch dieser kann kontr\u00e4r dazu auch funktional sein (F\u00fcrsorglichkeit gegen\u00fcber anderen). Der gesunde Erwachsenen-Modus bildet den mitf\u00fchlenden, stabilen Anteil in uns, der Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Kind-Modi zeigt, den dysfunktionalen Elternmodi Grenzen setzt und f\u00fcr Struktur, Sicherheit und F\u00fcrsorge sorgt. Wichtig f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis und die Akzeptanz ist einerseits die Erkenntnis, dass auch die dysfunktionalen Elternmodi urspr\u00fcnglich aus funktionalen \u00dcberzeugungen entstanden sind, um schwierige Situationen \u00fcberstehen zu k\u00f6nnen. Andererseits ist es auch von Relevanz, funktionale und positive Kind-Modi und Eltern-Modi zu identifizieren. Abb: Ziele der Schematherapie (in Anlehnung an Fa\u00dfbinder et al. (2024). Wie funktioniert die Schematherapie? Die Schematherapie verbindet Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie mit humanistischen, wie zum Beispiel dem Stuhldialog, erfahrungsorientierten und imaginativen Techniken. Zentrales Ziel ist es, den gesunden Erwachsenenmodus zu st\u00e4rken, indem die unterschiedlichen Modi und deren Entstehung sowie ihr Zusammenspiel bewusst gemacht und verstanden werden. Nach der Erarbeitung der einzelnen Modi liegt der Fokus darauf, neue, gesunde Bew\u00e4ltigungsstrategien zu entwickeln und diese im Alltag zu verankern. Die Bew\u00e4ltigungsmodi werden angesprochen und etwaige Vor- und Nachteile sowie alternative Verhaltensweisen erarbeitet. Weiters werden die Gef\u00fchle der Kind-Modi (bspw. durch Rollenspiele oder Stuhldialoge) verarbeitet und ver\u00e4ndert und die strengen Gedanken der dysfunktionalen Eltern-Modi entkr\u00e4ftigt. Dazu geh\u00f6rt, den gesunden Erwachsenenmodus aktiv einzusetzen, um die Bed\u00fcrfnisse der Kind-Modi wahrzunehmen, innere Kritik zu relativieren und langfristig eine stabilere, mitf\u00fchlendere Beziehung zu sich selbst aufzubauen. So kann ein flexibleres und selbstbestimmteres Erleben entstehen. Quellen: Jacob, G. (2014). Schematherapie: Ein integrativer Ansatz in der Behandlung von Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rungen. PiD \u2013 Psychotherapie im Dialog, 15(3), 68\u201371. https:\/\/doi.org\/10.1055\/s-0034-1388641 Kharaghani, R., Hosseinkhani, A., &amp; Zenoozian, S. (2023). 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