{"id":3805,"date":"2022-01-19T17:04:57","date_gmt":"2022-01-19T16:04:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/?p=3805"},"modified":"2022-01-19T17:04:57","modified_gmt":"2022-01-19T16:04:57","slug":"neurofeedback-bei-long-covid","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/aktuelles\/neurofeedback-bei-long-covid","title":{"rendered":"Neurofeedback bei Long-Covid"},"content":{"rendered":"<p>Die COVID-19 Erkrankung h\u00e4lt nicht nur die medizinische Welt und unsere gesamte Gesellschaft in Atem, sondern f\u00fchrt auch zu Herausforderungen f\u00fcr Klinische- und Neuropsychologie. Die Berichte von Long-COVID Symptomen haben \u00fcber den Verlauf der vergangenen zwei Jahren deutlich zugenommen. Aktuelle Studien belegen, dass bei mindestens 13% der Erkrankten ein Long-COVID-Syndrom auftritt. Dieses kann auch nach milden Verl\u00e4ufen auftreten und auch bei Personen, die davor gesundheitlich in Topform waren.<\/p>\n<p>Eine Metaanalyse von Lopez-Leon et al. (2021) konnte zeigen, dass vor allem reduzierte Belastbarkeit (58%), erh\u00f6hte M\u00fcdigkeit (58%), Kopfschmerzen (44%), Aufmerksamkeitsst\u00f6rungen (28%) und Ged\u00e4chtnisproblemen (16%) angegeben werden. Auch nach ca. 8 Monaten weisen 18% eine Beeintr\u00e4chtigung der Verarbeitungsgeschwindigkeit, 16% der exekutiven Funktionen, 15-20% der Wortfl\u00fcssigkeit und 24% der Ged\u00e4chtnisfunktionen auf (Becker et al., 2021). Das f\u00fchrt zu deutlicher Einschr\u00e4nkung der beruflichen Leistungsf\u00e4higkeit und auch des privaten Lebens.<\/p>\n<p>Die Symptome sind nach Intensivmedizinischer Behandlung mit Beatmung noch st\u00e4rker ausgepr\u00e4gt und f\u00fchren dazu, dass die Arbeitsf\u00e4higkeit deutlich eingeschr\u00e4nkt ist. Eine Studie hat gezeigt, dass nach 12 Monaten nur 56% wieder berufst\u00e4tig waren (McPeake et al., 2019).<\/p>\n<p>Diese Daten weisen darauf hin, dass die Folgeprobleme von COVID in der Bev\u00f6lkerung zu enormen Herausforderungen der Rehabilitation f\u00fchren werden. Hier spielen auch die Klinische Psychologie und Neuropsychologie eine bedeutsame Rolle.<\/p>\n<p>Neurofeedback kann als ein vielversprechender Bestandteil einer multimodalen Therapie gesehen werden. Da bei vielen Patienten mit Long-COVID-Syndrom als ein Hauptbestandteil ein \u201efoggy brain\u201c vorhanden ist, das mit Aufmerksamkeitsproblemen, M\u00fcdigkeit und Ged\u00e4chtnisproblemen einhergeht, bieten sich als Neurofeedback-Ansatzpunkte folgende Therapieprotokolle an: Theta down, Beta up und SMR up. Zur F\u00f6rderung der Erholungsf\u00e4higkeit und der kognitiven Leistungsf\u00e4higkeit ist auch ein Alpha-Training empfehlenswert. Nachdem diese Ans\u00e4tze bereits bei anderen neuropsychologischen St\u00f6rungen wirkungsvoll eingesetzt werden, ist davon auszugehen, dass diese auch bei Long-COVID effektiv sind.<\/p>\n<p>Damit die Neurofeedback-Therapie zielgenau durchgef\u00fchrt werden kann, ist eine ausf\u00fchrliche QEEG-Diagnostik wichtig, wodurch die individuellen Auff\u00e4lligkeiten des EEG im Vergleich zu gesunden Normalpersonen identifiziert werden k\u00f6nnen. Darauf aufbauend kann ein ma\u00dfgeschneiderter Therapieplan mit Neurofeedback erstellt werden.<\/p>\n<p>Erste Neurofeedback-Therapien bei Patienten mit Long-COVID Symptomen in unserer Praxis sind vielversprechend. Erg\u00e4nzend sind alle Methoden der Erholungsf\u00f6rderung, Ressourcen-Aktivierung und der psychischen Verarbeitung eines (schweren) Krankheitsverlaufes f\u00fcr die Genesung von Bedeutung.<\/p>\n<p>Literatur:<\/p>\n<p>Kopanska, M. et al., 2021. Changes in EEG recordings in COVID-19 patients as a basis for more accurate QEEG diagnostics and EEG neurofeedback nherapy: A systematic review. Journal of Clinical Medicine, 10, 1300.<\/p>\n<p>Luckos et al., 2021. EEG neurofeedback in the treatment of cognitive dysfunctions after the infection of SARS-COV-2 and Long-COVID-19. Acta Neuropsychologica, 19 (3), 361-372.<\/p>\n<p>Peper, M. &amp; Schott, J. (2021). Neuropsychologische St\u00f6rungen bei coronavirusassoziierten Erkrankungen. Zeitschrift f\u00fcr Neuropsychologie, 30 (4), 195-222.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die COVID-19 Erkrankung h\u00e4lt nicht nur die medizinische Welt und unsere gesamte Gesellschaft in Atem, sondern f\u00fchrt auch zu Herausforderungen f\u00fcr Klinische- und Neuropsychologie. Die Berichte von Long-COVID Symptomen haben \u00fcber den Verlauf der vergangenen zwei Jahren deutlich zugenommen. Aktuelle Studien belegen, dass bei mindestens 13% der Erkrankten ein Long-COVID-Syndrom auftritt. Dieses kann auch nach milden Verl\u00e4ufen auftreten und auch bei Personen, die davor gesundheitlich in Topform waren. Eine Metaanalyse von Lopez-Leon et al. (2021) konnte zeigen, dass vor allem reduzierte Belastbarkeit (58%), erh\u00f6hte M\u00fcdigkeit (58%), Kopfschmerzen (44%), Aufmerksamkeitsst\u00f6rungen (28%) und Ged\u00e4chtnisproblemen (16%) angegeben werden. Auch nach ca. 8 Monaten weisen 18% eine Beeintr\u00e4chtigung der Verarbeitungsgeschwindigkeit, 16% der exekutiven Funktionen, 15-20% der Wortfl\u00fcssigkeit und 24% der Ged\u00e4chtnisfunktionen auf (Becker et al., 2021). Das f\u00fchrt zu deutlicher Einschr\u00e4nkung der beruflichen Leistungsf\u00e4higkeit und auch des privaten Lebens. Die Symptome sind nach Intensivmedizinischer Behandlung mit Beatmung noch st\u00e4rker ausgepr\u00e4gt und f\u00fchren dazu, dass die Arbeitsf\u00e4higkeit deutlich eingeschr\u00e4nkt ist. Eine Studie hat gezeigt, dass nach 12 Monaten nur 56% wieder berufst\u00e4tig waren (McPeake et al., 2019). Diese Daten weisen darauf hin, dass die Folgeprobleme von COVID in der Bev\u00f6lkerung zu enormen Herausforderungen der Rehabilitation f\u00fchren werden. Hier spielen auch die Klinische Psychologie und Neuropsychologie eine bedeutsame Rolle. Neurofeedback kann als ein vielversprechender Bestandteil einer multimodalen Therapie gesehen werden. Da bei vielen Patienten mit Long-COVID-Syndrom als ein Hauptbestandteil ein \u201efoggy brain\u201c vorhanden ist, das mit Aufmerksamkeitsproblemen, M\u00fcdigkeit und Ged\u00e4chtnisproblemen einhergeht, bieten sich als Neurofeedback-Ansatzpunkte folgende Therapieprotokolle an: Theta down, Beta up und SMR up. Zur F\u00f6rderung der Erholungsf\u00e4higkeit und der kognitiven Leistungsf\u00e4higkeit ist auch ein Alpha-Training empfehlenswert. Nachdem diese Ans\u00e4tze bereits bei anderen neuropsychologischen St\u00f6rungen wirkungsvoll eingesetzt werden, ist davon auszugehen, dass diese auch bei Long-COVID effektiv sind. Damit die Neurofeedback-Therapie zielgenau durchgef\u00fchrt werden kann, ist eine ausf\u00fchrliche QEEG-Diagnostik wichtig, wodurch die individuellen Auff\u00e4lligkeiten des EEG im Vergleich zu gesunden Normalpersonen identifiziert werden k\u00f6nnen. Darauf aufbauend kann ein ma\u00dfgeschneiderter Therapieplan mit Neurofeedback erstellt werden. Erste Neurofeedback-Therapien bei Patienten mit Long-COVID Symptomen in unserer Praxis sind vielversprechend. Erg\u00e4nzend sind alle Methoden der Erholungsf\u00f6rderung, Ressourcen-Aktivierung und der psychischen Verarbeitung eines (schweren) Krankheitsverlaufes f\u00fcr die Genesung von Bedeutung. Literatur: Kopanska, M. et al., 2021. Changes in EEG recordings in COVID-19 patients as a basis for more accurate QEEG diagnostics and EEG neurofeedback nherapy: A systematic review. Journal of Clinical Medicine, 10, 1300. Luckos et al., 2021. EEG neurofeedback in the treatment of cognitive dysfunctions after the infection of SARS-COV-2 and Long-COVID-19. Acta Neuropsychologica, 19 (3), 361-372. Peper, M. &amp; Schott, J. (2021). Neuropsychologische St\u00f6rungen bei coronavirusassoziierten Erkrankungen. 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