{"id":3763,"date":"2021-09-19T17:31:28","date_gmt":"2021-09-19T15:31:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/?p=3763"},"modified":"2021-09-19T17:34:21","modified_gmt":"2021-09-19T15:34:21","slug":"21-lektionen-fuer-das-21-jahrhundert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/aktuelles\/21-lektionen-fuer-das-21-jahrhundert","title":{"rendered":"21 Lektionen f\u00fcr das 21. Jahrhundert"},"content":{"rendered":"<h2 class=\"c-statements__headline headline--3 js-remove_if_empty\">Rezension zu &#8222;21 Lektionen f\u00fcr das 21. Jahrhundert.&#8220; von Yuval Noah Harari<\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"c-statements__subtext js-remove_if_empty\">\n<p>\u201eYuval Noah Harari, einer der aufregendsten Denker der Gegenwart, erz\u00e4hlte in seinen ersten beiden B\u00fcchern vom Aufstieg des Homo Sapiens zum Herrn der Welt und von der Zukunft unserer Spezies. Nun schaut er auf das Hier und Jetzt und widmet sich den dr\u00e4ngenden Fragen unserer Zeit.\u201c (aus dem Klappentext)<\/p>\n<p>In 21 Kapiteln geht Harari auf die wichtigsten Themen der Gegenwart ein, und gliedert diese in f\u00fcnf gro\u00dfe Bereiche, die technologischen Herausforderungen, die politischen Herausforderungen, Verzweiflung und Hoffnung, Wahrheit und Resilienz. Dabei wird auch das Thema der Klima- und Umweltkrise kritisch beleuchtet.<\/p>\n<p><strong>Er versteht es meisterhaft, den Leser mit auf eine Reise des Denkens zu nehmen, einen gesch\u00e4rften Blick auf die Herausforderungen der Gegenwart zu lenken und bisherige Glaubenss\u00e4tze zu hinterfragen.<\/strong>\u00a0Damit l\u00fcftet er auch den Schleier der T\u00e4uschung, der \u00fcber manchen Themen liegt.<\/p>\n<p>Bereits in der Einleitung geht er auf die Problematik der Digitalisierung ein. \u201eDie Verschmelzung von Infotech und Biotech k\u00f6nnte schon bald Milliarden von Menschen aus dem Arbeitsmarkt dr\u00e4ngen und sowohl Freiheit wie Gleichheit untergraben.\u00a0<strong>Big-Data-Algorithmen k\u00f6nnten digitale Diktaturen schaffen<\/strong>, in denen sich die gesamte Macht in den H\u00e4nden einer winzigen Elite konzentriert, w\u00e4hrend die meisten\u00a0<strong>Menschen<\/strong>\u00a0nicht unter Ausbeutung zu leiden haben, sondern unter etwas viel Schlimmerem \u2013 unter\u00a0<strong>Bedeutungslosigkeit<\/strong>.\u201c (S. 16)<\/p>\n<p>Bei der technologischen Entwicklung werden sowohl die Vorteile als auch Problematiken aufzgezeigt. Dabei schl\u00e4gt er eine Br\u00fccke zur Klimakrise und Umweltproblematik, die heutzutage eines der vorherrschenden Themen ist. \u201e<strong>Die Menschen waren schon immer weitaus besser darin, Instrumente zu erfinden, als sie klug zu nutzen.<\/strong>\u00a0Es ist leichter, einen Flu\u00dflauf zu regulieren, indem man einen Damm baut, als all die komplexen Folgen vorherzusagen, die das f\u00fcr das allgemeine \u00d6kosystem haben wird.\u201c<br \/>\n\u201eIn der Vergangenheit haben wir die Macht erlangt, die Welt um uns zu manipulieren und den gesamten Planeten umzugestalten, aber weil wir die Komplexit\u00e4t der globalen \u00d6kologie nicht verstanden haben, haben die Ver\u00e4nderungen, die wir vornahmen, das gesamte \u00d6kosystem unabwendbar zerst\u00f6rt, und\u00a0<strong>heute stehen wir vor einem \u00f6kologischen Kollaps<\/strong>.\u201c (S. 31)<\/p>\n<p>Die immer rascheren Ver\u00e4nderungen unseres Lebens f\u00fchren auch zu neuen Problemen der Anpassungsf\u00e4higkeit des Menschen, was bereits jetzt zu einer Krise der Besch\u00e4ftigung gef\u00fchrt hat und sich noch weiter zuspitzen wird. Nicht nur die Digitalisierung und Robitik ersetzen viele Jobs, sondern auch die F\u00e4higkeit des Menschen, mit diesen Ver\u00e4nderungen Schritt zu halten. \u201eSelbst wenn wir fortw\u00e4hrend neue Jobs erfinden und Arbeitskr\u00e4fte umschulen k\u00f6nnten, m\u00fcssen wir uns fragen, ob der durchschnittliche Mensch das emotionale Durchhalteverm\u00f6gen besitzt, das man f\u00fcr ein Leben mit solchen unabl\u00e4ssigen Umw\u00e4lzungen braucht. Ver\u00e4nderug ist immer mit Belastungen verbunden, und die hektische Welt des fr\u00fchen 21. Jahrhunderts hat zu einer globalen Stressepidemie gef\u00fchrt. Wenn die Volatilit\u00e4t des Arbeitsmarktes und der individuellen Lebensl\u00e4ufe weiter zunimmt, werden die Menschen das verkraften?\u00a0<strong>Wir brauchen vermutlich weitaus effektivere Stressbew\u00e4ltigungsmethoden \u2013 die von Medikamenten \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/therapien-und-loesungen\/neurofeedback\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Neurofeedback<\/a> bis Meditation reichen -, um zu verhindern, dass der Kopf des Sapiens schlapp macht<\/strong>.\u201c (S. 70-71)<\/p>\n<p>Wie an diesem Beispiel deutlich wird, geht Harari nicht nur auf die Probleme unserer Zeit ein, sondern zeigt auch Ansatzpunkte und L\u00f6sungsmoglichkeiten auf. Dies macht er nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit Bedacht und Demut. So beschreibt er in einem Kapitel, dass er sich nicht anma\u00dfen w\u00fcrde, einer alleinerziehenden Frau in prek\u00e4ren Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnissen Ratschl\u00e4ge zu geben, vielmehr sei er es, der von dieser Frau lernen k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Da viele unserer heutigen Probleme mit dem technologischen und digitalen Forschritt zusammenh\u00e4ngen, wird deutlich, dass es auch Schulung des menschlichen Bewusstseins braucht, um mit dem Neuen umgehen zu k\u00f6nnen und nicht in eine Apokalypse hineinzusteuern, wie diese in Science Fiction Filmen, wie Terminator oder Matrix ausgemalt wird. \u201e<strong>Um solche Ergebnisse zu vermeiden, w\u00e4re es klug, f\u00fcr jeden Dollar und jede Minute, die wir in die Verbesserung k\u00fcnstlicher Intelligenz investieren, einen Dollar und eine Minute in die F\u00f6rderung menschlichen Bewusstseins zu stecken<\/strong>.\u201c (S. 127)<\/p>\n<p>Damit neue L\u00f6sungen f\u00fcr die die bekannten und neue Probleme gefunden werden k\u00f6nnen, damit neue Wege begangen werden k\u00f6nnen, braucht es auch Zeit und Mu\u00dfe. Stress und Zeitdruck waren noch nie die besten Ratgeben f\u00fcr kreative Prozesse. \u201eDoch wenn man sich eingehend mit einem Thema befassen will, braucht man viel Zeit, und vor allem braucht man\u00a0<strong>das Privileg, Zeit verschwenden zu k\u00f6nnen<\/strong>. Man muss mit unproduktiven Wegen experimentieren, Sackgassen erkunden, Raum f\u00fcr Zweifel und Langeweile zu schaffen und zuzulassen, dass kleine Samen der Erkenntnis nur langsam gedeihen und bl\u00fchen.\u201c (S. 343)<\/p>\n<p>Zusammenfassend k\u00f6nnen wir eine w\u00e4rmste Empfehlung f\u00fcr \u201e21 Lektionen f\u00fcr das 21. Jahrhundert\u201c von Harari geben. Ein Buch, das in einem anregenden Schreibstil zum Nachdenken animiert und Lust darauf macht, Themen und Probleme von verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Es lohnt sich auch, bestimmte Textpassagen herauszustreichen und wiederholt zu lesen, damit die Erkenntnisse gedeihen und bl\u00fchen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Yuval Noah Harari (2020). 21. Lektionen f\u00fcr das 21. Jahrhundert. M\u00fcnchen: C.H. Beck.<\/p>\n<p>Verfasst von Norman Schmid<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Die Menschen waren schon immer weitaus besser darin, Instrumente zu erfinden, als sie klug zu nutzen.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":3764,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[50,178],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3763"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3763"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3763\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3767,"href":"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3763\/revisions\/3767"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3764"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3763"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3763"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3763"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}