{"id":3520,"date":"2020-05-25T09:18:23","date_gmt":"2020-05-25T07:18:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/?p=3520"},"modified":"2020-05-25T09:22:04","modified_gmt":"2020-05-25T07:22:04","slug":"hypnose-und-biofeedback-bei-reizblase","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/aktuelles\/hypnose-und-biofeedback-bei-reizblase","title":{"rendered":"Hypnose und Biofeedback bei Reizblase"},"content":{"rendered":"<p><em>Die Neu-Programmierung des K\u00f6rpers durch Hypnose und Biofeedback.<\/em><\/p>\n<header class=\"entry-header\">\n<h2 class=\"entry-title ct_title\">Reizblase<\/h2>\n<\/header>\n<div class=\"entry-content\">\n<p>Bei einer Reizblase, auch \u201e\u00fcberaktive Blase\u201c genannt, kommt es meist zu \u00fcberfallsartigem Harndrang, bei gleichzeitig wenig gef\u00fcllter Blase bzw. geringer Urinmenge. In den allermeisten F\u00e4llen l\u00e4sst sich f\u00fcr diese verstellte oder fehlerhafte R\u00fcckmeldung des Nervensystems an die Blase keine organische Ursache finden. Es sind ca. 10-15 Prozent der Frauen und M\u00e4nner davon betroffen, wobei eine \u00fcberaktive Blase am h\u00e4ufigsten bei Frauen im Altern von 30 bis 50 Jahren auftritt.<\/p>\n<p>Betroffene versp\u00fcren oft einen deutlichen Leidensdruck, da die Symptome der Reizblase einem Harnwegsinfekt sehr \u00e4hnlich sind und es zu h\u00e4ufigem Aufsuchen von Toiletten kommt (bei vielen mehr als 8 Mal t\u00e4glich). Die \u00a0Angst vor Inkontinenz ist h\u00e4ufig, auch wenn diese nur selten auftritt. Die mehrmals t\u00e4glichen WC-G\u00e4nge zeigen sich f\u00fcr viele Betroffene stark problem- und angstbesetzt, da beispielsweise beim Sport oder Arbeiten die fehlerhafte R\u00fcckmeldung Unterbrechungen und Einschr\u00e4nkungen darstellt.<\/p>\n<p>Ganz \u00e4hnlich wie bei einer Reizdarm-Symptomatik, steht auch bei der Reizblase zu Beginn eine medizinische Diagnostik an erster Stelle, um m\u00f6gliche neurologische oder organische Ursachen ausschlie\u00dfen zu k\u00f6nnen. Neben sekund\u00e4ren Formen wie Entz\u00fcndungen, k\u00f6nnen auch oftmalige Harnwegsinfekte oder psychische Belastungen das Entstehen einer Reizblasen-Symptomatik beg\u00fcnstigen.<\/p>\n<h2>M\u00f6gliche Symptome bei einer Reizblase<\/h2>\n<ul>\n<li>h\u00e4ufiger Harndrang &amp; Toilettengang<\/li>\n<li>h\u00e4ufiges Gef\u00fchl, \u00e4hnlich eines Harnweginfektes<\/li>\n<li>h\u00e4ufiges Gef\u00fchl von Urinieren m\u00fcssen, bei geringer Urinmenge<\/li>\n<li>Inkontinenz-Vorf\u00e4lle oder Angst vor Inkontinenz<\/li>\n<li>st\u00e4ndige Gedanken an den Harndrang<\/li>\n<li>Unterbrechungen durch h\u00e4ufige WC-G\u00e4nge<\/li>\n<li>Schamgef\u00fchle und Leidensruck durch die Beschwerden<\/li>\n<li>Vermeidungsverhalten und R\u00fcckzug, wie z.B. das Vermeiden von T\u00e4tigkeiten oder Unternehmungen, wo nicht unmittelbar eine Toilette verf\u00fcgbar ist<\/li>\n<li>\u2026<\/li>\n<\/ul>\n<h2><\/h2>\n<h2>Biofeedback und Hypnose<\/h2>\n<p>Zur erg\u00e4nzenden medizinischen Therapie der Reizblase gibt es neben Blasentraining und Beckenbodengymnastik auch die M\u00f6glichkeit mit\u00a0<a href=\"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/therapien-und-loesungen\/biofeedback\"><strong>Biofeedback-Training<\/strong><\/a>\u00a0hinsichtlich einer Reizblasen-Symptomatik anzusetzen. Mit Hilfe einer Sonde kann trainiert werden, wieder mehr Einfluss auf das Anspannen und Lockern der Beckenbodenmuskulatur zu erreichen. Dies dient auch einer verbesserten Kontrolle im Umgang mit dem fehlerhaft r\u00fcckgemeldeten Harndrang. Der Vorteil des Biofeedback ist das Sichtbarmachen der Spannung des Beckenbodens \u00fcber einen Bildschirm, wodurch ein rascher Lernfortschritt erreicht wird.<\/p>\n<p>Eine weitere, sehr wirkungsvolle M\u00f6glichkeit stellt die\u00a0<a href=\"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/therapien-und-loesungen\/hypnose\"><strong>Hypnose\u00a0<\/strong><\/a>dar. Im Trance-Zustand, der durch die Hypnose erreicht wird, kann ein Zugang zum K\u00f6rper hergestellt werden, in dem es gelingt, die \u201eFehlprogrammierung\u201c der Blase wieder zu korrigieren. Meistens f\u00fchren bereits wenige Einheiten Hypnose zu einer deutlich Verbesserung der Symptomatik und zu einem verst\u00e4rkten Vertrauen in den eigenen K\u00f6rper.<\/p>\n<h2><\/h2>\n<h2>Fallbeispiel<\/h2>\n<p>Eine junge Frau mit 30 Jahren suchte unsere Praxis wegen einer sehr stark ausgepr\u00e4gten Reizblase auf. Die Beschwerdest\u00e4rke wurde auf der 10stufigen Skala mit 8-9 angegeben. Der Leidensdruck war extrem stark, bei der Anamnese muss die Patientin auch \u00f6fter weinen. Die Verzweiflung war umso st\u00e4rker ausgepr\u00e4gt, als wenige Wochen zuvor auch ein Bandscheibenvorfall aufgetreten ist, der mit starken Schmerzen verbunden war. Die R\u00fcckenschmerzen konnten konservativ (ohne Operation) gut behandelt werden, die Reizblase wurde jedoch von Woche zu Woche st\u00e4rker.<\/p>\n<p>In unserer Praxis haben wir zu Beginn eine ausf\u00fchrliche medizinische und klinisch-psychologische Diagnostik durchgef\u00fchrt. Die\u00a0<strong>medizinische Diagnostik<\/strong>\u00a0konnte organische Einfl\u00fcsse (z.B. Nervensch\u00e4digung im R\u00fcckenmark durch den Bandscheibenvorfall) ausschlie\u00dfen. Mit einer Abbildung der Nervenversorgung der Blase konnte deutlich gemacht werden, dass die Steuerung der Blase von einem anderen R\u00fcckenmarksabschnitt versorgt wird, als das betroffene Gebiet des Bandscheibenvorfalls. Das f\u00fchrte unmittelbar zu einer Reduktion der Belastung.<\/p>\n<p>In der\u00a0<strong>klinisch-psychologischen Diagnostik<\/strong>\u00a0konnte eine erheblicher Leidensdruck festgestellt werden. Als Hintergrund und Einflussfaktoren f\u00fcr den Bandscheibenvorfall und die Reizblase konnten verschiedene psychosoziale Belastungen, wie anderer k\u00f6rperliche Erkrankungen im Vorjahr, erh\u00f6hter Stress in der Arbeit und auch private Stressoren festgestellt werden. Zudem war eine ung\u00fcnstige mentale Fokussierung auf das Problem Reizblase vorhanden. Dies f\u00fchrte zu einem Schon-und Vermeidungsverhalten. Bereits bei geringem Harndrang ging die Patientin auf die Toilette, was zu einer weiteren\u00a0<strong>\u201eFehlprogrammierung\u201c der Blase<\/strong>\u00a0f\u00fchrte. Auch die massiven \u00c4ngste f\u00fchrten zu einem verst\u00e4rkten Harndrang. Dies konnte auch psychophysiologisch (K\u00f6rper-Psyche-Wechselwirkung) veranschaulicht werden, da bei Angst der K\u00f6rper in einen \u201eAlarmmodus\u201c umschaltet, der zu mehr Harndrang f\u00fchrt. Man kennt dies auch bei Pr\u00fcfungsangst.<\/p>\n<p>Als psychologische Diagnose konnte eine\u00a0<strong>somatische Belastungsst\u00f6rung<\/strong>\u00a0festgestellt werden. Diese Diagnose beschreibt k\u00f6rperliche Beschwerden, die keine organische Ursache aufweisen, jedoch einen deutlichen Zusammenhang mit psychosozialen Stressoren und ung\u00fcnstigen Verarbeitungsprozessen aufweisen. Dabei sind Teufelskreise von Symptomwahrnehmung \u2013 verst\u00e4rkter Aufmerksamkeitszuwendung \u2013 \u00c4ngste \u2013 ung\u00fcnstige Verhaltensweisen (z.B. h\u00e4ufiger Toilettengang) \u2013 weitere Symptomverst\u00e4rkung vorhanden.<\/p>\n<p>\u00dcber diese Informationen zu den Psyche-K\u00f6rper-Wechselwirkungen konnte der Patientin eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Reizblase gegeben werden. Als Ansatzpunkt wurde neben der Vermittlung des bio-psycho-sozialen Krankheitsmodells (Alternative zu dem rein organmedizinischen Krankheitsmodell) auch\u00a0<strong>Hypnose<\/strong>\u00a0angeboten. Die Patientin konnte gut in die Hypnose und den Trance-Zustand einsteigen. Zun\u00e4chst wurde ein\u00a0<strong>Wohlf\u00fchl-Ort<\/strong>\u00a0aufgesucht, ein Ort, an dem sich die Patientin ganz wohlf\u00fchlt und alle Sorgen und Beschwerden vergessen konnte. Dies f\u00fchrte bereits zu einer Verbesserung der Stimmung und sie konnte w\u00e4hrend der Hypnose auch auf die Reizblase vergessen.<\/p>\n<p>In einer weiteren Sitzung wurde eine\u00a0<strong>Transformation der Beschwerden<\/strong>\u00a0durchgef\u00fchrt. Dabei wurde die Patientin im Trance-Zustand aufgefordert, dem Symptom Reizblase eine Form und Farbe zu geben. Die Patientin entwickelte automatisch (aus dem Unbewussten) ein Bild einer Orange, die der Reizblase zugeordnet wurde. Dann wurde sie aufgefordert, die Orange ver\u00e4ndern zu lassen. Auch dies war wieder einer automatischer Prozess, der keine bewusste Entscheidung erforderte. Es entwickelte sich das Bild der Orange, die aufgespalten wurde, in immer kleinere Teile, die sich zunehmend aufl\u00f6sten und zum Schluss kaum mehr erkennbar waren. Gleichzeitig f\u00fchlte sie, wie die Beschwerden der Reizblase immer geringer wurden und sie sich deutlich wohler f\u00fchlte.<\/p>\n<p>Die Hypnose-Sitzungen hatte die Patientin auch mit dem Smartphone aufgenommen und zu Hause t\u00e4glich Selbsthypnose-Einheiten durchgef\u00fchrt. Bereits nach wenigen Wochen hatte sich die Beschwerdest\u00e4rke deutlich verringert, von urspr\u00fcnglich 8-9 auf 4 und dann auf 1-2. Gleichzeitig konnte die Patientin deutlich l\u00e4ngere Pausen zwischen den Toiletteng\u00e4ngen einlegen. Wo sie zuvor alle 45 Minuten auf das WC gehen musste, konnte sie zum Schluss auch 3 Stunden vor dem n\u00e4chsten Toilettengang warten. Insgesamt konnte dadurch das Wohlbefinden deutlich gesteigert werden und sie konnte auch wieder alle Aktivit\u00e4ten ausf\u00fchren, die ihr wichtig waren.<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Neu-Programmierung des K\u00f6rpers durch Hypnose und Biofeedback.<\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":3521,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[49,58,319],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3520"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3520"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3520\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3525,"href":"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3520\/revisions\/3525"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3521"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3520"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3520"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3520"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}