{"id":2466,"date":"2017-07-05T17:32:29","date_gmt":"2017-07-05T15:32:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/?p=2466"},"modified":"2017-07-05T18:07:56","modified_gmt":"2017-07-05T16:07:56","slug":"lesen-als-abenteuer-im-kopf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/aktuelles\/lesen-als-abenteuer-im-kopf","title":{"rendered":"Lesen als Abenteuer im Kopf"},"content":{"rendered":"<h2>Wie die Bibliotherapie durch das Lesen neue Welten er\u00f6ffnet<\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Besonders der Sommer bietet sich an, Neues kennen zu lernen, bei Reisen in mehr oder weniger exotische L\u00e4nder, beim Entdecken unbekannter Landschaften, dem Eintauchen in fremde Kulturen und dem Bestaunen grandioser Bauwerke und Kunstsch\u00e4tze. Dadurch wird nicht nur der Horizont erweitert, sondern es kann auch Inspiration sein, manches Neue zu wagen. Umso mehr gilt dies, wenn man sich die Zeit nimmt, l\u00e4nger an einem Ort zu verweilen und Teil des Neuen zu werden.<\/p>\n<p>Besonders Romane k\u00f6nnen dazu anregen, sich aus der Komfortzone zu bewegen und etwas &#8222;zu riskieren&#8220;, wobei das Risiko auch \u00fcberschaubar sein darf, geht es doch weniger um die Gefahr, sondern um das Erleben von etwas Besonderem. Dies gelingt zwar auch zu Hause und bei Ausfl\u00fcgen in der n\u00e4heren Umgebung, in der Fremde ist die Erfahrung aber meist deutlich intensiver.<\/p>\n<p>In \u201eDer Weltensammler\u201c von Ilja Trojanow entsteht das wahre Abenteuer erst durch das Einswerden mit dem zun\u00e4chst Unbekannten. Der Leser wird auf den ersten Seiten zun\u00e4chst fast erschlagen von der F\u00fclle des Indischen Subkontinents. <em>Um ihn herum, in diesen Wirbeln, er konnte kein Gesicht erkennen, und es dauerte eine Weile, bis er ein Bild sah, das Sinn ergab.<\/em> Doch genau das ist es, was der wahre Reisende sucht, nicht das Vertraute der Heimat, sondern etwas ganz anderes.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte hier einige Romane kurz vorstellen, die dazu verhelfen k\u00f6nnen, neue Welten kennen zu lernen (zumindest im Kopf) und die vielleicht dazu anregen, es den Romanhelden nach zu machen.<\/p>\n<h2>Der Weltensammler<br \/>\nIlja Trojanov<\/h2>\n<p>Richard Burton, britischer Offizier im 19. Jahrhundert, der im Auftrag ihrer Majest\u00e4t der K\u00f6nigin nach Indien auszieht, um in den Kolonien f\u00fcr Recht und Ordnung zu sorgen, entdeckt zun\u00e4chst in Indien, dann in Arabien und schlie\u00dflich Afrika, dass ihn nicht so sehr die Fortf\u00fchrung der englischen Lebensweise in fremden Landen reizt, sondern das Eintauchen in andere Kulturen und Gebr\u00e4uche. Er macht sich das Fremde nicht zum Untertan, sondern vertieft sich so sehr in das Unbekannte, dass er zu einem Teil davon wird. Ilja Trojanow versteht es, aus den Eckdaten der Biografie von Richard Burton eine fiktive Reise zu gestalten, die dem Leser ein opulentes Mahl der Sinne bietet. Und wenn man meint, die Intensit\u00e4t der Erlebnisse sei nicht zu \u00fcberbieten, kommt es zu einer weiteren Steigerung, die in der Suche nach dem Ursprung des Nils m\u00fcndet. Ein wahres Abenteuer!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Die Vermessung der Welt<br \/>\nDaniel Kehlmann<\/h2>\n<p>Alexander von Humboldt und Karl Friedrich Gau\u00df k\u00f6nnten in ihrem Forscherdrang nicht unterschiedlicher sein. Der eine, der alle erdenkbaren k\u00f6rperlichen Qualen durchsteht, um die Welt und die Natur zu erkunden. Der andere, der die Welt im Kopf vermisst und dem bereits eine Kutschenfahrt in die Nachbarstadt den Schwei\u00df auf die Stirn treibt. Daniel Kehlmann versteht es, das Leben dieser herausragenden Wissenschaftler nicht nur zu skizzieren, sondern ihnen Leben einzuhauchen, dass man meint, man w\u00e4re bei den Abenteuern mit dabei. Die H\u00f6hen und Tiefen werden genauso pointiert beschrieben wie die skurrilen Charakterz\u00fcge, die es den Mitmenschen nicht immer leicht machen. Der Roman gipfelt im Treffen der beiden Genies, was zu weiteren Verstrickungen f\u00fchrt.<\/p>\n<h2>Der Kaiser von China<br \/>\nTilman Rammstedt<\/h2>\n<p>Ein Buch \u00fcber die Geschichte eines jungen Mannes mit seinem Gro\u00dfvater. Eine Geschichte, die innig und gleichzeitig kompliziert ist, aber jedenfalls nicht langweilig. Zum 80. Geburtstag des Gro\u00dfvaters w\u00fcnscht sich dieser nichts sehnlicher als eine Reise nach China, bei der ihn Keith begleiten soll. Dieser willigt zun\u00e4chst ein, wird durch die Geschwister mitfinanziert, erkennt jedoch rasch, dass er sich darauf gar nicht einlassen m\u00f6chte. Durch Ausreden und Verz\u00f6gerungen kommt es so weit, dass der Gro\u00dfvater zuvor stirbt. Jetzt ist es an ihm, den Geschwistern glaubhaft zu machen, sie w\u00e4ren tats\u00e4chlich auf der Reise durch China. Und es scheint auch so zu sein, dass die Briefe, die er aus China nach Hause sendet, ein Verm\u00e4chtnis an den Gro\u00dfvater sind.<\/p>\n<p>Aus: Norman Schmid (2016).&#8220;Auf der Couch mit Doktor Buch.&#8220; Maudrich-Verlag.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/produkt\/auf-der-couch-mit-doktor-buch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Weitere Infos und Leseprobe hier &gt;&gt;&gt;<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie die Bibliotherapie durch das Lesen neue Welten er\u00f6ffnet &nbsp; Besonders der Sommer bietet sich an, Neues kennen zu lernen, bei Reisen in mehr oder weniger exotische L\u00e4nder, beim Entdecken unbekannter Landschaften, dem Eintauchen in fremde Kulturen und dem Bestaunen grandioser Bauwerke und Kunstsch\u00e4tze. Dadurch wird nicht nur der Horizont erweitert, sondern es kann auch Inspiration sein, manches Neue zu wagen. Umso mehr gilt dies, wenn man sich die Zeit nimmt, l\u00e4nger an einem Ort zu verweilen und Teil des Neuen zu werden. Besonders Romane k\u00f6nnen dazu anregen, sich aus der Komfortzone zu bewegen und etwas &#8222;zu riskieren&#8220;, wobei das Risiko auch \u00fcberschaubar sein darf, geht es doch weniger um die Gefahr, sondern um das Erleben von etwas Besonderem. Dies gelingt zwar auch zu Hause und bei Ausfl\u00fcgen in der n\u00e4heren Umgebung, in der Fremde ist die Erfahrung aber meist deutlich intensiver. In \u201eDer Weltensammler\u201c von Ilja Trojanow entsteht das wahre Abenteuer erst durch das Einswerden mit dem zun\u00e4chst Unbekannten. Der Leser wird auf den ersten Seiten zun\u00e4chst fast erschlagen von der F\u00fclle des Indischen Subkontinents. Um ihn herum, in diesen Wirbeln, er konnte kein Gesicht erkennen, und es dauerte eine Weile, bis er ein Bild sah, das Sinn ergab. Doch genau das ist es, was der wahre Reisende sucht, nicht das Vertraute der Heimat, sondern etwas ganz anderes. Ich m\u00f6chte hier einige Romane kurz vorstellen, die dazu verhelfen k\u00f6nnen, neue Welten kennen zu lernen (zumindest im Kopf) und die vielleicht dazu anregen, es den Romanhelden nach zu machen. Der Weltensammler Ilja Trojanov Richard Burton, britischer Offizier im 19. Jahrhundert, der im Auftrag ihrer Majest\u00e4t der K\u00f6nigin nach Indien auszieht, um in den Kolonien f\u00fcr Recht und Ordnung zu sorgen, entdeckt zun\u00e4chst in Indien, dann in Arabien und schlie\u00dflich Afrika, dass ihn nicht so sehr die Fortf\u00fchrung der englischen Lebensweise in fremden Landen reizt, sondern das Eintauchen in andere Kulturen und Gebr\u00e4uche. Er macht sich das Fremde nicht zum Untertan, sondern vertieft sich so sehr in das Unbekannte, dass er zu einem Teil davon wird. Ilja Trojanow versteht es, aus den Eckdaten der Biografie von Richard Burton eine fiktive Reise zu gestalten, die dem Leser ein opulentes Mahl der Sinne bietet. Und wenn man meint, die Intensit\u00e4t der Erlebnisse sei nicht zu \u00fcberbieten, kommt es zu einer weiteren Steigerung, die in der Suche nach dem Ursprung des Nils m\u00fcndet. Ein wahres Abenteuer! &nbsp; Die Vermessung der Welt Daniel Kehlmann Alexander von Humboldt und Karl Friedrich Gau\u00df k\u00f6nnten in ihrem Forscherdrang nicht unterschiedlicher sein. Der eine, der alle erdenkbaren k\u00f6rperlichen Qualen durchsteht, um die Welt und die Natur zu erkunden. Der andere, der die Welt im Kopf vermisst und dem bereits eine Kutschenfahrt in die Nachbarstadt den Schwei\u00df auf die Stirn treibt. Daniel Kehlmann versteht es, das Leben dieser herausragenden Wissenschaftler nicht nur zu skizzieren, sondern ihnen Leben einzuhauchen, dass man meint, man w\u00e4re bei den Abenteuern mit dabei. 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