{"id":2248,"date":"2016-12-12T17:32:03","date_gmt":"2016-12-12T16:32:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/?p=2248"},"modified":"2016-12-12T17:47:13","modified_gmt":"2016-12-12T16:47:13","slug":"die-psychologie-totalitaerer-regime-und-wie-bibliotherapie-licht-in-die-finsternis-des-denkens-bring","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/aktuelles\/die-psychologie-totalitaerer-regime-und-wie-bibliotherapie-licht-in-die-finsternis-des-denkens-bring","title":{"rendered":"Die Psychologie totalit\u00e4rer Regime und wie Bibliotherapie Licht in die Finsternis des Denkens bringt"},"content":{"rendered":"<p>Kaum ein Genre der Literatur fesselt so sehr, wie die Schilderung totalit\u00e4rer Regime. In gesellschaftlich ruhigen Zeiten sind wir auf eine abschreckende Art und Weise fasziniert von \u00fcberbordender staatlicher Kontrolle, Reglementierungen und der Gleichschaltung des Menschen. In gesellschaftlich turbulenten Zeiten, wir sie aktuell gerade erleben, k\u00f6nnen diese Romane als Mahner dienen, wohin sich eine Gesellschaft entwickeln kann, wenn die Freiheit auf dem Altar der Sicherheit und Staatskontrolle geopfert wird.\u00a0 Anleitung und Anregung findet man bei Romanen, wie \u201eFahrenheit 451\u201c, \u201eDie Welle\u201c, \u201e1984\u201c oder \u201eDie Stadt der Blinden\u201c.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Vielleicht-helfen-B\u00fccher-aus-dem-Dunkel1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2262\" src=\"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Vielleicht-helfen-B\u00fccher-aus-dem-Dunkel1-300x105.jpg\" alt=\"vielleicht-helfen-buecher-aus-dem-dunkel\" width=\"300\" height=\"105\" srcset=\"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Vielleicht-helfen-B\u00fccher-aus-dem-Dunkel1-300x105.jpg 300w, https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Vielleicht-helfen-B\u00fccher-aus-dem-Dunkel1-600x210.jpg 600w, https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Vielleicht-helfen-B\u00fccher-aus-dem-Dunkel1.jpg 904w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>In der dystopischen Gesellschaft von George Orwells \u201e1984\u201c findet der Hauptprotagonist, Winston Smith, Hoffnung in einem Buch. \u201eDas Buch faszinierte ihn, oder, genauer gesagt, es best\u00e4rkte ihn. Es sagte ihm eigentlich nichts Neues, doch gerade das machte einen Teil seiner Anziehungskraft aus. Es sprach das aus, was er gesagt haben w\u00fcrde, h\u00e4tte er Ordnung in seine konfusen Gedanken bringen k\u00f6nnen. Das Buch stammte von einem ihm verwandten Geist, der aber unendlich viel st\u00e4rker, systematischer und weniger angstgepeinigt war.\u201c<\/p>\n<p>Auch wenn wir uns in Europa durch freie Wahlen und Parlamente im sicheren Hafen der Demokratie w\u00e4hnen, finden auch hier immer wieder bedrohliche Tendenzen zur Aush\u00f6hlung der Freiheit statt. Man sollte sich auch bewusst machen, dass das Ende des 2. Weltkrieges gerade erst etwas mehr als 70 Jahre zur\u00fcckliegt, nicht einmal ein Menschenleben und doch sind die Gr\u00e4uel von Vielen wieder vergessen oder werden bagatellisiert.<\/p>\n<p>Krisen, seien diese aus wirtschaftlicher Not, aus religi\u00f6sen Konflikten oder Migrationsstr\u00f6men ausgel\u00f6st, f\u00fchren zwangsl\u00e4ufig zu Verunsicherung, wie alles was nicht kontrolliert oder verstanden werden kann. Eine ganz nat\u00fcrliche menschliche Reaktion. Aber leider auch der N\u00e4hrboden f\u00fcr den Ruf nach einem starken Staat oder einem starken F\u00fchrer. Damit ist die Hoffnung verbunden, alles wieder so herzustellen, wie es vor der Krise war, was meistens ein frommer Wunsch bleibt und nicht der Realit\u00e4t entspricht. Neue Krisen, Ver\u00e4nderungen der Menschen, der Gesellschaft, von Technik und Natur brauchen neue Ans\u00e4tze und L\u00f6sungen. Meistens gibt es auf komplexe Probleme keine einfachen L\u00f6sungen. Das kommt dem Menschen allerdings nicht entgegen, denken die meisten von uns doch am liebsten in einfachen Handlungsstr\u00e4ngen, in einfachen Kausalit\u00e4ten, in wenn \u2013 dann Beziehungen. Was aber, wenn einfache Zusammenh\u00e4nge nicht mehr ausreichen, um die Welt zu erkl\u00e4ren? Wenn eine Handlung vielfache Reaktionen hervorrufen kann, wenn das Manipulieren an einer Stellschraube zu Kettenreaktionen f\u00fchrt, die man sich in den k\u00fchnsten Tr\u00e4umen nicht ausmalen konnte. Wie dies bei der Atomkraft der Fall ist, wenn es um den Klimawandel geht oder um die digitale Revolution der Arbeit. Und wie wir es beim arabischen Fr\u00fchling seit 2010 erlebt haben, als der Westen die aufkeimende Demokratisierung in verschiedenen arabischen L\u00e4ndern freudig begr\u00fc\u00dft und unterst\u00fctzt hat, und wie diese entweder brutal niedergeschlagen wurde oder zu einer Destabilisierung des Landes gef\u00fchrt hat, verwickelt in B\u00fcrgerkrieg und Terror ohne Aussicht auf eine friedliche Entwicklung. Damit verbunden Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me, die gef\u00fchlten V\u00f6lkerwanderungen entsprechen, bis hinein ins Herz Europas. Etwas, was sich schon seit Jahrzehnten ank\u00fcndigt, bedenkt man die Medienberichte \u00fcber \u201edie Festung Europas\u201c, die bereits viele Jahre vor den Migrationsstr\u00f6men ein d\u00fcsteres Bild gemalt haben. Dieses Bild ist jetzt bei uns angekommen und \u00fcberfordert Politik, Gesellschaft und auch den Einzelnen. Sei es, dass dieser nach anf\u00e4nglichem Engagement eine zunehmende Ersch\u00f6pfung wahrnimmt, sich allein gelassen f\u00fchlt von der Politik oder auch jene, die zwar kaum Kontakt mit Fl\u00fcchtlingen haben, sich aber bedroht f\u00fchlen durch Ver\u00e4nderungen, die nicht absehbar sind.<\/p>\n<p>Jeder Standpunkt ist legitim. Jeder Standpunkt f\u00fchrt zu Verunsicherung. Der ideale N\u00e4hrboden f\u00fcr Propaganda und radikale L\u00f6sungen, da genau diese eine Richtschnur vorgeben, eine Klarheit, eine einfache L\u00f6sung, die freilich tr\u00fcgerisch ist.<\/p>\n<p>Wir sollten es uns nicht zu gem\u00fctlich machen in unseren Demokratien. Gerade heute sind wir mehr denn je gefordert, die Freiheit des Denkens und Handelns nicht nur zu verteidigen, sondern neu zu definieren.<\/p>\n<p>Auszug aus: Norman Schmid (2016). Auf der Couch mit Doktor Buch. Eine Bibliotherapie. Wien: Maudrich.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Titelbild.jpg.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2174\" src=\"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Titelbild.jpg-300x202.jpg\" alt=\"titelbild-jpg\" width=\"300\" height=\"202\" srcset=\"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Titelbild.jpg-300x202.jpg 300w, https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Titelbild.jpg-600x404.jpg 600w, https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Titelbild.jpg.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/produkt\/auf-der-couch-mit-doktor-buch\">Blick ins Buch und Rezensionen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaum ein Genre der Literatur fesselt so sehr, wie die Schilderung totalit\u00e4rer Regime. In gesellschaftlich ruhigen Zeiten sind wir auf eine abschreckende Art und Weise fasziniert von \u00fcberbordender staatlicher Kontrolle, Reglementierungen und der Gleichschaltung des Menschen. In gesellschaftlich turbulenten Zeiten, wir sie aktuell gerade erleben, k\u00f6nnen diese Romane als Mahner dienen, wohin sich eine Gesellschaft entwickeln kann, wenn die Freiheit auf dem Altar der Sicherheit und Staatskontrolle geopfert wird.\u00a0 Anleitung und Anregung findet man bei Romanen, wie \u201eFahrenheit 451\u201c, \u201eDie Welle\u201c, \u201e1984\u201c oder \u201eDie Stadt der Blinden\u201c. In der dystopischen Gesellschaft von George Orwells \u201e1984\u201c findet der Hauptprotagonist, Winston Smith, Hoffnung in einem Buch. \u201eDas Buch faszinierte ihn, oder, genauer gesagt, es best\u00e4rkte ihn. Es sagte ihm eigentlich nichts Neues, doch gerade das machte einen Teil seiner Anziehungskraft aus. Es sprach das aus, was er gesagt haben w\u00fcrde, h\u00e4tte er Ordnung in seine konfusen Gedanken bringen k\u00f6nnen. Das Buch stammte von einem ihm verwandten Geist, der aber unendlich viel st\u00e4rker, systematischer und weniger angstgepeinigt war.\u201c Auch wenn wir uns in Europa durch freie Wahlen und Parlamente im sicheren Hafen der Demokratie w\u00e4hnen, finden auch hier immer wieder bedrohliche Tendenzen zur Aush\u00f6hlung der Freiheit statt. Man sollte sich auch bewusst machen, dass das Ende des 2. Weltkrieges gerade erst etwas mehr als 70 Jahre zur\u00fcckliegt, nicht einmal ein Menschenleben und doch sind die Gr\u00e4uel von Vielen wieder vergessen oder werden bagatellisiert. Krisen, seien diese aus wirtschaftlicher Not, aus religi\u00f6sen Konflikten oder Migrationsstr\u00f6men ausgel\u00f6st, f\u00fchren zwangsl\u00e4ufig zu Verunsicherung, wie alles was nicht kontrolliert oder verstanden werden kann. Eine ganz nat\u00fcrliche menschliche Reaktion. Aber leider auch der N\u00e4hrboden f\u00fcr den Ruf nach einem starken Staat oder einem starken F\u00fchrer. Damit ist die Hoffnung verbunden, alles wieder so herzustellen, wie es vor der Krise war, was meistens ein frommer Wunsch bleibt und nicht der Realit\u00e4t entspricht. Neue Krisen, Ver\u00e4nderungen der Menschen, der Gesellschaft, von Technik und Natur brauchen neue Ans\u00e4tze und L\u00f6sungen. Meistens gibt es auf komplexe Probleme keine einfachen L\u00f6sungen. Das kommt dem Menschen allerdings nicht entgegen, denken die meisten von uns doch am liebsten in einfachen Handlungsstr\u00e4ngen, in einfachen Kausalit\u00e4ten, in wenn \u2013 dann Beziehungen. Was aber, wenn einfache Zusammenh\u00e4nge nicht mehr ausreichen, um die Welt zu erkl\u00e4ren? Wenn eine Handlung vielfache Reaktionen hervorrufen kann, wenn das Manipulieren an einer Stellschraube zu Kettenreaktionen f\u00fchrt, die man sich in den k\u00fchnsten Tr\u00e4umen nicht ausmalen konnte. Wie dies bei der Atomkraft der Fall ist, wenn es um den Klimawandel geht oder um die digitale Revolution der Arbeit. Und wie wir es beim arabischen Fr\u00fchling seit 2010 erlebt haben, als der Westen die aufkeimende Demokratisierung in verschiedenen arabischen L\u00e4ndern freudig begr\u00fc\u00dft und unterst\u00fctzt hat, und wie diese entweder brutal niedergeschlagen wurde oder zu einer Destabilisierung des Landes gef\u00fchrt hat, verwickelt in B\u00fcrgerkrieg und Terror ohne Aussicht auf eine friedliche Entwicklung. Damit verbunden Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me, die gef\u00fchlten V\u00f6lkerwanderungen entsprechen, bis hinein ins Herz Europas. 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