{"id":1024,"date":"2015-08-24T11:43:27","date_gmt":"2015-08-24T09:43:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/?p=1024"},"modified":"2020-03-23T17:22:50","modified_gmt":"2020-03-23T16:22:50","slug":"legasthenie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/therapien-und-loesungen\/legasthenie","title":{"rendered":"Lese-Rechtschreib-St\u00f6rung"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>\u201e\u2026verwechselt immer b und d\u201c<br \/>\n\u201e\u2026ist zu faul zum ordentlichen Schreiben\u2026\u201c<br \/>\n\u201e\u2026liest so langsam\u2026\u201c<br \/>\n\u201e\u2026in der Deutschstunde mit den Gedanken ganz woanders\u2026\u201c<br \/>\n\u201e\u2026eine Fehlerlawine &#8211; das ganze Blatt rot angestrichen\u2026\u201c<\/p>\n<p>Bei vielen Grundsch\u00fclern ergibt sich im Rahmen der Schullaufbahn der Verdacht auf eine Lese- und Rechtschreibst\u00f6rung, doch lediglich das Verwechseln einzelner Buchstaben gibt noch keinen Aufschluss dar\u00fcber, ob tats\u00e4chlich eine Legasthenie vorhanden ist oder nicht.<\/p>\n<h2>Was ist eine Lese- und Rechtschreibst\u00f6rung bzw. Legasthenie?<\/h2>\n<p>Die Lese-und Rechtschreibst\u00f6rung (F81.0) wird durch die ICD-10 als \u201eumschriebene und bedeutsame Beeintr\u00e4chtigung der Lesefertigkeiten\u201c beschrieben, welche nicht alleine durch das \u201eEntwicklungsalter, Visusprobleme oder unangemessene Beschulung\u201c erkl\u00e4rbar ist.<\/p>\n<p>Neben den Auff\u00e4lligkeiten hinsichtlich der Lesefertigkeiten kann es kombiniert zu erheblichen Auff\u00e4lligkeiten in der Rechtschreibung kommen. F\u00fcr den mathematischen Bereich wird der Begriff der Rechenst\u00f6rung (F81.2) verwendet oder von Dyskalkulie (statt Legasthenie) gesprochen. F\u00fcr die ICD-11 wird \u00fcberlegt, ob neben der isolierten Rechtschreibst\u00f6rung auch eine isolierte Lesest\u00f6rung ohne Rechtschreibschwierigkeiten kodiert wird.<\/p>\n<p>Der Begriff der Legasthenie wird in der Regel als Synonym f\u00fcr die Lese-und Rechtschreibst\u00f6rung\u00a0 bzw. f\u00fcr die intelligenzunabh\u00e4ngige Form der Lese-Rechtschreibschw\u00e4che verwendet. Auch der erbliche Aspekt und die unterschiedlichen Schwere-Grade werden hiermit betont.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Diagnosestellung einer Lese-Rechtschreibst\u00f6rung wird in der klinisch-psychologischen Diagnostik unter anderem ein Intelligenztest bzw. eine Testbatterie vorgegeben, um ausschlie\u00dfen zu k\u00f6nnen, dass eine verringerte Leseleistung durch eine verminderte intelligenzm\u00e4\u00dfige Leistung zu Stande kommt. Zus\u00e4tzlich werden standardisierte Tests zur Beurteilung der Lese- und Rechtschreibleistung angewandt. Die Ergebnisse werden dabei mit Normen verglichen. F\u00fcr eine tats\u00e4chliche Diagnose muss die jeweilige Lese- bzw. Rechtschreibleistung tats\u00e4chlich deutlich abweichen.<\/p>\n<p>In der P\u00e4dagogischen Psychologie wird der Begriff der \u201eLese-Rechtschreibschw\u00e4che\u201c verwendet, um f\u00fcr alle Sch\u00fclerinnen du Sch\u00fcler m\u00f6glichst verschiedene Abstufungen der Symptomatik zu erfassen. Anhand von evidenz- und konsensbasierten Leitlinien (Leitlinie S3) werden ferner zur Qualit\u00e4tssicherung unter anderem entsprechende Testverfahren zur Erhebung der Rechtschreib- und Leseleistung aufgelistet. Dadurch gibt es vermehrte Bem\u00fchungen mit den Testverfahren die Diagnostik f\u00f6rderorientierter zu gestalten, um auch Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler mit einer Lese-und Rechtschreib-schw\u00e4che gleicherma\u00dfen gut f\u00f6rdern zu k\u00f6nnen wie jene mit der Diagnose einer Lese-und Rechtschreibst\u00f6rung. Die Schulpsychologie bietet dabei umfangreiche Informationen \u00fcber Prinzipien der Leistungsfeststellung sowie Kontaktadressen zu Beratungs- und F\u00f6rderm\u00f6glichkeiten in den jeweiligen Bundesl\u00e4ndern.<\/p>\n<p>M\u00f6gliche Ursachen der Legasthenie sind Eigenheiten in der Informationsverarbeitung im zentralen Nervensystem. Bei der Informationsverarbeitung l\u00e4sst dadurch die Aufmerksamkeit nach, wenn Buchstaben oder Zahlen verarbeitet werden, wodurch Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben oder Rechnen auftreten. Die Konzentrationsschwierigkeiten betreffen somit den sprachlich- symbolischen Bereich und nicht, wie z.B. bei einer Aufmerksamkeitsst\u00f6rung, allgemeine Konzentrationsdefizite. Als sekund\u00e4re Symptome kommen oft psychische Probleme durch die Lernschwierigkeiten oder schulische Misserfolge hinzu (z.B. \u00a0Komorbidit\u00e4ten wie Motivationsverlust, \u00c4ngste, depressive Stimmung, etc).<\/p>\n<div>\n<p>H\u00e4ufigkeit und Verteilung bei M\u00e4dchen und Burschen<\/p>\n<p>Es wird davon ausgegangen, dass ca. 4-15% der Weltbev\u00f6lkerung von Legasthenie betroffen sind, unabh\u00e4ngig davon welche Sprache gesprochen wird. Fest steht auch, dass Jungen h\u00e4ufiger von Legasthenie betroffen sind als M\u00e4dchen.<br \/>\nEin gro\u00dfes Problem ergibt sich, wenn eine Legasthenie lange unerkannt bleibt. Es gibt auch Erwachsene mit Legasthenie, bei denen oft ein gro\u00dfer Leidensdruck vorhanden ist, welcher sich durch die gesamte Ausbildungssituation zieht.<\/p>\n<p>Individuelle Therapie und F\u00f6rderung<\/p>\n<p>Ziel ist es, Strategien zu erlernen, wie man mit den Eigenheiten der Legasthenie oder Lese- Rechtschreibschw\u00e4che besser umgehen kann. Bei konkreten Lernproblemen empfiehlt sich auch ein psychologisches Lerntraining, um Konzentrations\u00fcbungen und Lernstrategien zu reflektieren und einzu\u00fcben. Zus\u00e4tzlich ist es wichtig auch etwaige Folgeprobleme, wie \u00c4ngste oder depressive Stimmung im Rahmen einer Psychologischen Therapie zu behandeln.<\/p>\n<p>Neurofeedback bei Legasthenie\/LRS<\/p>\n<p>Mit Hilfe eines <a href=\"https:\/\/www.schmid-schmid.at\/blog\/therapien-und-loesungen\/neurofeedback\">Neurofeedback-Trainings<\/a> wird das Gehirn in einen aufmerksamen und lernbereiten Zustand versetzt. Langsame Wellen (Theta-Wellen) werden reduziert, die Konzentration wird gef\u00f6rdert (Beta-Wellen) und Impulsivit\u00e4t wird gemindert (SMR-Wellen). Zus\u00e4tzlich ist die Vermittlung ma\u00dfgeschneiderter Lernstrategien sowie ein geeignetes Lerntraining f\u00fcr den weiteren Erfolg des Trainings wichtig. So k\u00f6nnen Schritt f\u00fcr Schritt die Leistungen in den grundlegenden Bereichen verbessert werden. Die Sch\u00fcler k\u00f6nnen so durch erste Erfolgserlebnisse Frustrationen und die negative Grundeinstellung zum Lesen und Schreiben abbauen und wieder neue Motivation und positive Lernerlebnisse erlangen.<\/p>\n<p><strong>Fallbeispiel Maximilian<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ausgangszustand:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>14 Jahre (4. Klasse Gymnasium, Unterstufe)<\/li>\n<li>Lese-und Rechtschreibst\u00f6rung<\/li>\n<li>Verdacht auf ADHS konnte im Rahmen der klinisch-psychologischen Diagnostik nicht best\u00e4tigt werden<\/li>\n<li>Leicht ablenkbar in der Deutschstunde, Konzentrationsschwierigkeiten beim Schreiben von Aufs\u00e4tzen<\/li>\n<li>Demotiviert durch lange Lernzeiten und starken Lernaufwand<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Therapie:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Elterninfo, Schullaufbahnberatung<\/li>\n<li>F\u00f6rderung der eigenen Interessen und F\u00e4higkeiten<\/li>\n<li>Erlernen geeigneter Lernstrategien<\/li>\n<li>Ma\u00dfgeschneidertes Neurofeedback (zur Steigerung der Aufmerksamkeit und Reduktion der Ablenkbarkeit, Teilleistungstraining, praxisorientiertes Symptomtraining, positive Verst\u00e4rkung und Motivation, etc.)<\/li>\n<li>\u201ees selbst in die Hand nehmen\u201c, Wissen und Kompetenzen im Umgang mit der Legasthenie erlangen<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Ergebnis:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Bessere Lernleistung (u.a. auch durch Schulwechsel)<\/li>\n<li>Verbesserte Aufmerksamkeits- und Konzentrationsleistung<\/li>\n<li>Bessere Leistung in den Teilleistungsbereichen<\/li>\n<li>Verbesserte Motivation<\/li>\n<li>Erh\u00f6hte Selbstst\u00e4ndigkeit beim Lernen und entwickeln eigener Lernstrategien (z.B. Eselsbr\u00fccken)<\/li>\n<li>Verminderte Fehlerzahl<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Fallbeispiel Alexandra<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ausgangszustand:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Gymnasium (2. Klasse Unterstufe, 12 Jahre)<\/li>\n<li>Lese-und Rechtschreibst\u00f6rung<\/li>\n<li>schlechte Noten in Deutsch, \u201enegativer Ruf\u201c bei der Deutschlehrerin, demotiviert durch Misserfolge<\/li>\n<li>Lern- und \u00dcbungsdefizite, Motivationsverlust beim Lesen, Schwierigkeiten beim Erfassen der Anforderungen bei Schularbeitsaufgaben<\/li>\n<li>Pr\u00fcfungsangst in Form von Blackouts<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Therapie:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Aufmerksamkeits\u00fcbungen<\/li>\n<li>Verbesserungen der Leistungsbereiche<\/li>\n<li>Psychologisches Lerntraining<\/li>\n<li>F\u00f6rderung der Motivation<\/li>\n<li>Selbstsicherheitstraining, Angstmanagement<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Ergebnis:<\/strong><br \/>\nIm Rahmen des Trainings verbesserte sich die Lese- und Rechtschreibleistung bereits innerhalb eines halben Jahres deutlich. Durch den Aufbau der individuellen Lernstrategien verbesserte sich auch l\u00e4ngerfristig die schulische Motivation. Die Angst vor Pr\u00fcfungen verringerte sich, individuelle Aufmerksamkeits- und Konzentrations\u00fcbungen sowie das Lese- und Rechtschreibtraining wurden zur Unterst\u00fctzung weitergef\u00fchrt.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201e\u2026verwechselt immer b und d\u201c \u201e\u2026ist zu faul zum ordentlichen Schreiben\u2026\u201c \u201e\u2026liest so langsam\u2026\u201c \u201e\u2026in der Deutschstunde mit den Gedanken ganz woanders\u2026\u201c \u201e\u2026eine Fehlerlawine &#8211; das ganze Blatt rot angestrichen\u2026\u201c Bei vielen Grundsch\u00fclern ergibt sich im Rahmen der Schullaufbahn der Verdacht auf eine Lese- und Rechtschreibst\u00f6rung, doch lediglich das Verwechseln einzelner Buchstaben gibt noch keinen Aufschluss dar\u00fcber, ob tats\u00e4chlich eine Legasthenie vorhanden ist oder nicht. Was ist eine Lese- und Rechtschreibst\u00f6rung bzw. Legasthenie? Die Lese-und Rechtschreibst\u00f6rung (F81.0) wird durch die ICD-10 als \u201eumschriebene und bedeutsame Beeintr\u00e4chtigung der Lesefertigkeiten\u201c beschrieben, welche nicht alleine durch das \u201eEntwicklungsalter, Visusprobleme oder unangemessene Beschulung\u201c erkl\u00e4rbar ist. Neben den Auff\u00e4lligkeiten hinsichtlich der Lesefertigkeiten kann es kombiniert zu erheblichen Auff\u00e4lligkeiten in der Rechtschreibung kommen. F\u00fcr den mathematischen Bereich wird der Begriff der Rechenst\u00f6rung (F81.2) verwendet oder von Dyskalkulie (statt Legasthenie) gesprochen. F\u00fcr die ICD-11 wird \u00fcberlegt, ob neben der isolierten Rechtschreibst\u00f6rung auch eine isolierte Lesest\u00f6rung ohne Rechtschreibschwierigkeiten kodiert wird. Der Begriff der Legasthenie wird in der Regel als Synonym f\u00fcr die Lese-und Rechtschreibst\u00f6rung\u00a0 bzw. f\u00fcr die intelligenzunabh\u00e4ngige Form der Lese-Rechtschreibschw\u00e4che verwendet. Auch der erbliche Aspekt und die unterschiedlichen Schwere-Grade werden hiermit betont. F\u00fcr die Diagnosestellung einer Lese-Rechtschreibst\u00f6rung wird in der klinisch-psychologischen Diagnostik unter anderem ein Intelligenztest bzw. eine Testbatterie vorgegeben, um ausschlie\u00dfen zu k\u00f6nnen, dass eine verringerte Leseleistung durch eine verminderte intelligenzm\u00e4\u00dfige Leistung zu Stande kommt. Zus\u00e4tzlich werden standardisierte Tests zur Beurteilung der Lese- und Rechtschreibleistung angewandt. Die Ergebnisse werden dabei mit Normen verglichen. F\u00fcr eine tats\u00e4chliche Diagnose muss die jeweilige Lese- bzw. Rechtschreibleistung tats\u00e4chlich deutlich abweichen. In der P\u00e4dagogischen Psychologie wird der Begriff der \u201eLese-Rechtschreibschw\u00e4che\u201c verwendet, um f\u00fcr alle Sch\u00fclerinnen du Sch\u00fcler m\u00f6glichst verschiedene Abstufungen der Symptomatik zu erfassen. Anhand von evidenz- und konsensbasierten Leitlinien (Leitlinie S3) werden ferner zur Qualit\u00e4tssicherung unter anderem entsprechende Testverfahren zur Erhebung der Rechtschreib- und Leseleistung aufgelistet. Dadurch gibt es vermehrte Bem\u00fchungen mit den Testverfahren die Diagnostik f\u00f6rderorientierter zu gestalten, um auch Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler mit einer Lese-und Rechtschreib-schw\u00e4che gleicherma\u00dfen gut f\u00f6rdern zu k\u00f6nnen wie jene mit der Diagnose einer Lese-und Rechtschreibst\u00f6rung. Die Schulpsychologie bietet dabei umfangreiche Informationen \u00fcber Prinzipien der Leistungsfeststellung sowie Kontaktadressen zu Beratungs- und F\u00f6rderm\u00f6glichkeiten in den jeweiligen Bundesl\u00e4ndern. M\u00f6gliche Ursachen der Legasthenie sind Eigenheiten in der Informationsverarbeitung im zentralen Nervensystem. Bei der Informationsverarbeitung l\u00e4sst dadurch die Aufmerksamkeit nach, wenn Buchstaben oder Zahlen verarbeitet werden, wodurch Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben oder Rechnen auftreten. Die Konzentrationsschwierigkeiten betreffen somit den sprachlich- symbolischen Bereich und nicht, wie z.B. bei einer Aufmerksamkeitsst\u00f6rung, allgemeine Konzentrationsdefizite. Als sekund\u00e4re Symptome kommen oft psychische Probleme durch die Lernschwierigkeiten oder schulische Misserfolge hinzu (z.B. \u00a0Komorbidit\u00e4ten wie Motivationsverlust, \u00c4ngste, depressive Stimmung, etc). H\u00e4ufigkeit und Verteilung bei M\u00e4dchen und Burschen Es wird davon ausgegangen, dass ca. 4-15% der Weltbev\u00f6lkerung von Legasthenie betroffen sind, unabh\u00e4ngig davon welche Sprache gesprochen wird. Fest steht auch, dass Jungen h\u00e4ufiger von Legasthenie betroffen sind als M\u00e4dchen. Ein gro\u00dfes Problem ergibt sich, wenn eine Legasthenie lange unerkannt bleibt. 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